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In den Bienen liegt die Kraft der Ruhe

In den Bienen liegt die Kraft der Ruhe

Ein Interview mit der Hobbyimkerin Imme Kachel

 

Imme Kachel ist Hobbyimkerin aus Dietingen bei Rottweil. Wie sie zum Imkern gekommen ist, was sie vorher gern gewusst hätte und was ihr am Imkern besonders gefällt, das und mehr wollten wir von ihr wissen.

 

Wabenprofi: Im Jahr 2020 wuchs der Anteil an Frauen um ein Dreifaches. Demnach sind 20,46 % der Imker weiblich. Frau Kachel, Sie sind eine der 20,46 Prozent. Wie sind Sie zum Imkern gekommen? Hat das vielleicht etwas mit Ihrem Vornamen zu tun?

 

Imme Kachel: Ja, in der Tat war mein Vorname mit ein Anstoß.  Immer schon wollte ich  mehr über Immen wissen.

 

Ausschlaggebend aber war, dass ich vor vielen Jahren zufällig bei einem Spaziergang auf einen Imker in seinem Schrebergarten stieß, der gerade nach seinem Bienenvolk schaute. Das Summen und Brummen zog mich magisch an. Ich fragte nach, ob ich näher kommen dürfte, und er ließ mich in sein Volk schauen. Das Gewimmel war so wunderbar anzusehen und dieses fröhliche Summen – ich war hin und weg.

So war es um mich geschehen und ich wollte das alles auch lernen.

 

Wabenprofi: Was hätten Sie gerne gewusst, bevor Sie mit diesem Hobby begonnen haben?

 

Imme Kachel: Eigentlich hatte ich mich gut vorbereitet. Viel gelesen, einen Imkerkurs belegt. Aber wenn ich dann ins Volk geschaut habe, musste ich feststellen, dass meine Bienen das Buch nicht gelesen und auch keinen Imkerkurs belegt hatten. Sie hielten sich nicht an das, was ich in der Theorie gelernt hatte. Hier wäre ein Imkerpate, der einem in der ersten Zeit zur Seite steht, wichtig gewesen. Bienen sind ein komplexer Organismus. Zum Glück habe ich jemanden gefunden, der mir in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite stand.

 

Wabenprofi: Wie viele Bienenvölker haben Sie?

 

Imme Kachel: Das variiert. Meist zwischen 6-10 Völker.

 

Wabenprofi: Welches Beutesystem nutzen Sie und warum?

 

Imme Kachel: Das Zandersystem. Damit habe ich das Imkern gelernt und bin bei diesem Beutesystem hängen geblieben. Interessant finde ich das 1-zargige Imkern. Da möchte ich mich in der Zukunft schlaumachen, ob das etwas für mich und meine Bienen wäre.

 

Wabenprofi: Von wie vielen Bienen wurden Sie bereits gestochen und wie war das beim „ersten Mal“?

 

Imme Kachel: Wie hat es Cat Stevens in seinem Lied so schön ausgedrückt: „The first cut is the deepest“. So verhält es sich auch mit den ersten Bienenstichen. Mein Erster war noch ziemlich schmerzhaft. Inzwischen haben mich so viele Bienen gestochen, ich kann die Stiche nicht mehr zählen. Mittlerweile stupft es, wie der Schwabe sagt, nur noch kurz und schmerzt überhaupt nicht mehr. Mit zunehmender Zahl wird man  immer unempfindlicher.

Doch an mein Gesicht lasse ich sie nicht mehr ran. Ich habe schon oft so unmöglich zugeschwollen ausgesehen, das muss man den Leuten erst mal erklären, dass das nur eine Biene war und kein Sturz von der Treppe, oder was sie dann sonst noch hinein interpretieren.

Wenn die Bienen schlecht gelaunt sind, wie z. B. bei Gewitterstimmung, stechen sie eher.

Aber es gibt auch völlig entspannte Situationen: Da kann ich meinen gesamten Arm im Volk versenken und es passiert rein gar nichts.

 

Wabenprofi: Was ist Ihrer Meinung nach die schönste Aufgabe beim Imkern?

 

Imme Kachel: Die allerschönste Aufgabe für mich, ist meine Völker durchzusehen, sie zu riechen und summen zu hören. Das entspannt mich total und lässt mich alles um mich herum vergessen. Die Bienen haben mir beigebracht, meine Ruhe zu finden. Das ist ein bisschen wie meditieren.

 

Wabenprofi: Was machen Sie nicht so gern?

 

Imme Kachel: Auch wenn ich weiß, es muss sein, um die Varroamilbe in ihrer Ausdehnung zu reduzieren: Drohnenrahmen ausschneiden.

Nicht zu vergessen die Ameisensäurebehandlung nach der letzten Honigschleuderung – diese ist mir nicht zuverlässig genug.

 

Wabenprofi: Warum?

 

 

Imme Kachel: Bei dieser Behandlung muss man so viel beachten: Ist es zu warm, kann das den Bienen schaden. Ist es jedoch zu kalt, wirkt die Behandlung nicht. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch, ist das auch nicht gut, da die Ameisensäure Wasser zieht. Ich verwende seit einiger Zeit VarroMed. Dieses Mittel ist zwar teuer, aber viel einfacher in der Anwendung, da man nicht so sehr von den Witterungsverhältnissen abhängig ist.

 

Wabenprofi: Was für einen Honig produzieren Ihre Bienen?

 

Imme Kachel: Meine Mädels und ich gehen nicht auf Wanderschaft. Das ist uns zu stressig. Sie stehen an einem ganz wunderbaren und trachtausgewogenem Ort, Am Schönbuchtrauf in den Streuobstwiesen. Im Frühjahr gibt es den hellen, cremigen Frühjahrshonig aus Obstblüte, Löwenzahn und Raps und danach gibt es Sommerblütenhonig aus den Streuobstwiesen, Kastanien, Linden, Robinien. Manchmal gibt es auch Waldhonig.

 

Wabenprofi: Wie viel Honig ernten Sie jährlich? Verkaufen Sie Ihren Honig und ist das überhaupt rentabel?

 

Imme Kachel: Das ist ganz unterschiedlich, je nach Tracht und Witterung. Zwischen 60-120kg.

Meinen Honig verkaufe ich auf dem Markt und von Mund zu Mundpropaganda.

Eine Ausgaben - Einnahmen Aufstellung habe ich bisher noch nicht gemacht. Aber ich kann sagen, dass sich die Kosten mit den Einnahmen schon einigermaßen decken. Wenn man die ganze Arbeitszeit nicht mitrechnet. Das Imkern ist für mich vordergründig ein Hobby. Damit es rentabel wird, braucht es viel mehr Völker und somit auch wesentlich mehr Zeit.

 

Wabenprofi: Was machen Sie eigentlich beruflich?

 

Imme Kachel: Ich bin freischaffende Bühnen- und Kostümbildnerin und daher viel auf Reisen.

 

Wabenprofi: Haben Sie denn dann überhaupt genug Zeit für die Hobbyimkerei?

 

Imme Kachel: Manchmal mangelt es mir an Zeit, aber die Bienen müssen ja immer versorgt sein. Dann frage ich einen Imkerkollegen oder eine Imkerkollegin, der/die mir meist aushelfen kann.

 

Wabenprofi: Wie viel Zeit investieren Sie ungefähr als Hobbyimkerin?

 

Imme Kachel: Von April bis Juli schaue ich jede Woche nach meinen Völkern.

Pro Volk brauche ich  ca. 15min – ich bin sehr langsam! Aber ich genieße die Ruhe mit und bei den Bienen. Das ist mein Bienen-Zen. Das haben sie mich gelehrt: Mit Ruhe an alles herangehen – darin war ich bisher nicht so stark.

 

Wabenprofi: Was war Ihr schönstes Ereignis in Zusammenhang mit der Imkerei?

 

Imme Kachel: Oh, es gibt so viel Schönes beim Imkern.

Die Gerüche - jedes Volk hat seinen ganz eigenen Duft, der Duft des Honigs beim Schleudern.

Die Geräusche, wenn sie geschäftig und friedlich summen, frisch geschlüpfte Bienen und das „Einfliegen“ der jungen Bienen vor dem Stock und natürlich die Nähe zur Natur.  

 

Wabenprofi: In früheren Zeiten war die Imkerei eindeutig eine Männerdomäne. Jedoch boomt das Hobby derzeit und auch immer mehr Frauen begeistern sich für die Imkerei. Muss man sich da als Frau erst noch durchsetzen?

 

Imme Kachel: Die Imkerei galt bis vor nicht allzu langer Zeit als uncooles Rentnerhobby. Mit steigendem Umweltbewusstsein und zunehmendem bekannt werden des Insektensterbens wenden sich immer mehr Menschen jeglichen Alters diesem Hobby zu, um auch von ihrer Seite etwas für die Natur zu tun. Ob das nun Männer oder Frauen sind, spielt doch überhaupt keine Rolle. Ich habe als Imkerin bisher keine negativen Erfahrungen gemacht. Im Gegenteil!

 

 

Wabenprofi: Eine letzte Frage: Was würden Sie Neuimkern raten?

 

Imme Kachel: Man kann sich viel Fachwissen durch Bücher aneignen, aber in der Praxis kommt dann meist doch alles anders, als man denkt. Die Arbeit mit diesen wundervollen Tieren ist individuell und einzigartig. Man muss sich auf die Bienen einlassen, sie lernen zu verstehen und mit der nötigen Ruhe, Aufmerksamkeit und mit dem Vertrauen der Natur in Einklang sein. Man muss eben den richtigen Weg zusammen mit seinen eigenen Bienen finden.

 

Vielen Dank für dieses Gespräch. Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Ruhe, Kraft und Einklang mit ihren Bienenvölkern.

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Lukas Spanbalch
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